Ich könnte an dieser Stelle den Satz zitieren, mit dem wohl jeder, der einen Roman schreibt, antworten würde: «Ich liebe es, in fremde Welten einzutauchen.» Damit wäre alles gesagt, und mein Blogartikel fertig. Bis zum nächsten Mal, danke Tschüss.
Aber das wäre schon etwas mau. Ausserdem wäre es auch nur die halbe Wahrheit. Wäre ich Thriller Autorin, würde auch ein Satz wie: «Ich mag es, mir auszumalen, wie ich ungeliebte Mitmenschen um die Ecke bringe. Zum Beispiel diesen glatzköpfigen Postboten, der immer die falschen Pakete bringt», gut passen. Für Thriller bin ich aber leider vom Typ her zu harmonieliebend. Selbst in meiner Fantasie.
Obwohl, so ein Regional Krimi hätte mich auch gereizt. Doch das übernimmt ja für meine Region schon die wunderbare Monika Mansour, unter anderem mit Wildspitz, Lorzentobel und Ägerisee. Aber ich habe eine Top 5, was ich am Roman schreiben liebe. Und die möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.
1. Ich liebe das Kribbeln, wenn aus einem Funken eine Romanidee wird
Erst ist da nur ein Gedanke. Ein Funke, von dem ich nicht weiss, ob er zu einer ganzen Romanhandlung taugt. Die Idee zu «Karpfen im Froschteich» begleitete mich schon Jahre vor dem eigentlichen schreiben.
Richtig Spass macht es dann, wenn immer mehr Details dazukommen. Eine starke Figur, ein spezieller Ort, eine entscheidende Situation. Dann wird aus diesem Funken nach und nach ein Lagerfeuer, das mein Herz wärmt.
Spätestens dann bekommt die Idee einen eigenen Ordner in meinem Schreibprogramm. Gerade arbeite ich an einer Fortsetzung von Katjas Geschichte. Denn obwohl ich «Karpfen im Froschteich» so konzipiert hatte, dass es ein abgeschlossener Roman ist, wollte ich mich danach nicht von meiner Romanwelt und deren Bewohnern trennen. Ich habe sie einfach zu lieb gewonnen … Jetzt an dieser Geschichte dran zu bleiben verlangt allerdings auch Disziplin. Die Verlockung, wenn es in der aktuellen Geschichte nicht vorangeht einfach etwas Neues zu starten, ist gross. Diese vermeintlich besseren Ideen nennt man in der Autorenszene übrigens Plot Bunnys.
2. Charaktere für einen Roman zu kreieren macht Spass!
Als ich anfing, mich mit dem Schreibhandwerk zu befassen, habe ich es tausendmal gehört, aber es war mir schon davor klar. Das Wichtigste an einer Geschichte sind die Figuren. Wenn die Leserin mit denen nicht warm wird, kann die Handlung und das Setting noch so toll sein. Darum wende ich viel Zeit für meinen Figurenbau auf. Ich lege Biographien und Charakterbögen an, mache Psychotests für meine Figuren (und bei der Gelegenheit auch gleich für mich) und ich vertiefe meine Beziehung zu ihnen in imaginären Couchgesprächen – ja, das ist schräg, aber auch sehr hilfreich. Seit ich schreibe, nehme ich Menschen anders wahr. Intensiver. Ich hinterfrage öfter Reaktionen, Gefühlsausbrüche oder Entscheidungen. Nicht wertend, eher analytisch. Das Schreiben hat meinen Blick geschärft. Und gleichzeitig meine Empathie
3. Aus einzelnen Ideen wächst eine Geschichte
Wenn die Grundidee steht, und ich meine Figuren besser kenne nähere ich mich der Struktur des Romans an. Dafür baue ich für zentrale Figuren eine Heldenreise auf. In diesem Stadium nimmt auch die Handlung klare Formen an. Szenen reihen sich aneinander, Lücken müssen geschlossen werden. Es ist ein Puzzle aus Ereignissen und Informationen. Das Ziel: Unterhalten und gleichzeitig Emotionen erzeugen.
4. Überarbeiten – klingt unattraktiv, macht aber Spass
In der Planungsphase meines ersten Romans dachte ich, das schreiben der Rohfassung würde mir am meisten Spass machen. Und es war auch eine wirklich tolle und teils emotionale Reise. Aber noch lieber mag ich es, an bestehenden Texten zu feilen. Wenn ich meine Texte überarbeite bin ich eine Detektivin. Ich spüre Wortdoppelungen auf, streiche Füllworte, tausche lahme Adjektive gegen passende Verben und kreiere Bilder mit Metaphern. Ich feile die scharfen Kanten des Textes so lange ab, bis er streichel zart vor mir liegt.
5. Das Finale – wenn ich das Buch in den Händen halte
Was für ein Moment! Wenn aus diesem Datenhaufen Manuskript, gespeichert in unzähligen Versionen, ein richtiges Buch wird. So lange ich an meinem Manuskript geschrieben habe fühlte es sich immer ein wenig an, als würde ich nur Schriftstellerin spielen. Als dieses Buch dann vor mir auf dem Tisch lag und ich darin blätterte, verschob sich in mir etwas. Denn ehrlich, ein Roman zu schreiben ist ein Marathon. Und einen Marathon habe ich mir noch nie zugetraut. Doch nun habe ich ihn geschafft. Der Beweis dafür steht im Bücherregal – sogar in einigen Bücherregalen. Und weil ich das schon mal geschafft habe, schnüre ich meine Siebenmeilenstiefel erneut und laufe los …
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