Ich bin eine Querbeet-Leserin. Mir gefallen viele Genres. Das liegt daran, dass ich in meiner Zeit als Vollzeit-Putzfrau einen so grossen Hörbuch verschleiss hatte, dass ich jede Geschichte die mir in die Quere kam, dankend annahm und fast am Stück durchhörte. In welchem Genre ich mich als Autorin zu Hause fühlte, war mir aber immer klar. Liebeskomödien – aber keine Schnulzetten. Unterhaltsame leichte Romane mitten aus dem Leben. Das, was man mehr oder weniger salopp Frauenromane nennt.
Warum kein Fantasy-Roman?
Mit Fantasy wurde ich irgendwie nie so ganz warm. In meiner Ausbildung zur Romanautorin wurden Titel wie «Der Herr der Ringe» oder «Die Tribute von Panem» oft als Beispiele zugezogen. Ich mag nicht mal Harry Potter.
Natürlich verstehe ich den Reiz von fremden Welten und geheimnisvollen Magiesystemen. Trotzdem reizen mich als Autorin kleine Welten um einiges mehr als grosse. Lieber erforsche ich den Mikrokosmos eines Pflegeheims, eines Dorfs oder eines Campingplatzes als die weite fremde Welt. Ausser Zeitreisen, die faszinieren mich.
Wie wäre es mit Spicy Romance?
Bad Boys, heisse unzensierte Liebesszenen und massenhaft Konflikte. Diese Mischung aus Spannung, Gefühl und dem schmalen Grat zwischen Hass und Liebe – gekleidet in Farbschnittveredelte-Hardcover – sind bei den Leserinnen gerade extrem beliebt. Auf Plattformen wie Instagram und TikTok habe ich das schon mitgekriegt. Aber besonders krass war es, als ich an der Bodenseebuchmesse in Konstanz meinen Tisch zwischen zwei Dark Romance Autorinnen hatte. Dort ging es zu wie in einem Bienenschwarm. Die Autorinnen kamen aus dem Signieren kaum raus – sie waren Rockstars!
Ob ich das cool fände? Klar. Aber mir würde es keine Freude machen, mir beziehungsgestörte, streitlustige Protagonisten auszudenken. Ganz zu schweigen von den detailgetreu geschilderten Sexszenen. Liebesszenen kann man sie bei Dark Romance nicht wirklich nennen, da sie in ihrer Intensität oftmals in Gewalt ausarten. Nein, da bleibe ich lieber bei meinem relativ unschuldigen Landliebe-Stil 😉 …
Doch wie wäre es mit einem Thriller?
Obwohl ich sehr gerne Thriller lese, möchte ich diese Figuren, das Blut und die Verzweiflung nicht dauernd in meinem Kopf haben. Ich kenne das doch. Man schläft mit seinen Figuren ein, träumt gelegentlich von ihnen, erwacht nachts, um eine zündende Idee aufzuschreiben, die in einem gearbeitet hat … Man taucht als Autorin tief in sie ein. Bei aller Begeisterung, ich möchte nicht so tief in eine Figur hineinversetzen, die sich im Keller vier Mädchen hält und eine Fünfte unterm Küchentisch in einem Käfig.
Ich muss nachts mit dem Hund raus! Wie soll ich das noch bewerkstelligen, ohne dauernd über die Schulter zu schauen?
Was mich allerdings extrem reizen würde, wäre ein Regionalkrimi. Ein Mord, nicht allzu hässlich, ein Dorf, schön ländlich, und ein Ermittler oder eine Ermittlerin mit Herz und Witz. Natürlich auch mit ein paar Macken. Wohlfühlkrimi sozusagen.
Das würde mir Spass machen …
So, jetzt aber genug Luftschlossbauerei!
Erstmal bringe ich den Folge-Roman von «Karpfen im Froschteich» in trockene Tücher.
Doch wer weiss, vielleicht packt es mich, wenn Komissarin Iten-Merz (Typische Ägerital-Namen) bei mir anklopft mit einer Geschichte im Gepäck, der ich nicht widerstehen kann …


