Dieses verstaubte Bild gegenüber Lesungen hielt sich lange in meinem Kopf. Ich betrachtete Leseveranstaltungen als elitär, nur etwas für die «ganz Gescheiten» und außerdem stellte ich es mir auch stinklangweilig vor, dazusitzen und mir einen Text vorlesen zu lassen. Bis ich zum ersten Mal selbst eine Lesung besuchte …
Meine Vorurteile gegenüber Lesungen
Beim Begriff «Lesung» schob sich bei mir immer das Bild eines älteren Herrn mit Lesebrille und Rednerpult vor mein inneres Auge. Einer, der seine Texte stark akzentuiert vorträgt und in den Redepausen bedeutungsschwanger ins Publikum blickt. Einem Publikum, welches ich mir in Grau- und Beigetönen ausgemalt hatte. Dazu verschränkte Arme und überwiegend randlose Brillen. Eine Ansammlung ernster, in Konzentration versunkener Menschen mit analytisch-philosophischem Geist. So viel zu meinem Kopfkino, dessen Regie – ich muss es leider zugeben – ein Faible für Klischees hat.
Lesungen sind längst mehr als «sich vorlesen» lassen
Als mein eigener Roman Form annahm und ich auf Instagram voll in die Buch-Bubble eintauchte, swipte ich mich immer öfter durch die Bilder anderer Autoren und ihren Lesungen. Das Publikum auf den Bildern war bunt durchmischt und hatte sichtlich Spaß. Das lag vor allem daran, dass die Autoren und Autorinnen nicht nur steif dasaßen und lasen. Viele von ihnen inszenierten ihre Bücher regelrecht. Je nach Genre als Comedy Show, Grusel Event oder als Schauplatz Rundgang. Auch kulinarische Themen aus den jewiligen Büchern wurden oft geschickt in die Lesungen eingebunden.
Nicht um sonst sind Lesungen bekannter Autoren wie Sebastian Fitzek oder dem Autorenduo Klüpfel/Kober zu Events angewachsen, die ganze Hallen füllen.
Aber natürlich gibt es auch sie noch, die literarischen Veranstaltungen, in denen gewichtige Texte auf Leser treffen, die genau das schätzen. In denen es um Interpretation und tiefschürfende Bedeutungen geht. In denen man eher neben einer Historikerin oder neben einem Philosophie Professor als neben einer Tankstellenshop-Verkäuferin sitzt (obwohl der Schein auch mal trügt). Aber es gibt eben genau so die Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen. Und das ist ein wunderbarer Umstand, denn so gibt es für jeden ein Stück vom Kultur-Kuchen – unabhängig von seinem Geschmack.
Lesungen mit mir, Edith Gould
Inzwischen lese ich selbst vor Publikum. Nicht in Hallen. In Bibliotheken, Cafés, zu Gast bei Vereinen oder auch im Rahmen von privaten Wohnzimmern. Meine Lesungen sind Alltagsfluchten mit viel Humor. Ich spreche offen über meine Romanwelt, die in ihr lebenden Figuren und über mich als Kreativmensch, der unfreiwillig zur Unternehmerin geworden ist. Dabei blicke ich ab und an bedeutungsschwanger in die freundlichen Gesichter meines bunten Publikums. Und freue mich über ihre Freude. Voll Happy End oder?

Nebst meinen Büchern immer mit im Gepäck für Lesungen – der Teppichklopfer …
PS: Falls du eine Bibibliothek, einen Buchladen oder einen Lesezirkel führst, oder wenn du als Vereinsmitglied findest, ein lustiger Abend mit meinen Geschichten wäre mal was Anderes – melde dich. Ab 2027 habe ich wieder Platz im Kalender.








