Ich bin in letzter Zeit auf Instagram ganz oft auf diese 2016-Posts gestossen, bei denen man sein «2016 -Ich» zeigt. Ich mag die. Aber was ich noch viel lieber angeschaut habe, wenn sie mir in den Feed gespült wurden, waren Dekaden-Rückblicke. Darum habe ich mir mal selbst überlegt, was bei mir in den letzten Jahren so gelaufen ist.
Drei Ewigkeiten lang habe ich mich durch Fotoordner gescrollt und in Erinnerungen geschwelgt. Es war herrlich! Was da alles los war. Vor allem war immer ganz viel Leben in der Bude. Bilder von mir gab es allerdings wenige. Und wenn, dann waren kleine Menschen mit drauf, die meiner Meinung nach nicht ins Internet gehören.
Aber ein Schnappschuss für jedes Jahr habe ich ausgegraben. Fotos, aus Zeiten, in denen Social Media für mich kein Thema war. Fotos, als ich noch die war, die vom Schreiben Träumte. Und dann welche, in denen ich das wurde, womit ich nie gerechnet hätte – Schriftstellerin.
2016
2016 hatte ich kein Instagram und geschrieben habe ich bloss Erinnerungstagebücher für meine damals noch kleinen Kinder. Ich wusste ja nicht mal wo hinschauen für ein Selfie …

2017
2017 war voller kreativer Momente. In Pfützen springen im Frühling, im Bach plantschen im Sommer, Blätter in die Luft werfen im Herbst und mit dem Schlitten die Strasse runterbrettern im Winter. Dabei immer Chaos pur in der ganzen Wohnung. Ich genoss die Zeit als Mami von kleinen Kindern in vollen Zügen.

2018
2018 habe ich noch im selben Haushalt geputzt wie schon seit Jahren und habe im Restaurant Blasenberg als Aushilfe gearbeitet. Zu dieser Zeit habe ich auch ehrenamtlich in der Altersheim Cafeteria serviert. Fotos von mir alleine gibt es – wie die Jahre davor – praktisch keine.

2019
2019 waren wir ein ganz wilder Kinder- Vogel- und Hundehaushalt. Die Fenster waren dauernd mit Kinderzeichnungen abgeklebt, weil jemand gerade fliegen lernte und es war das letzte Jahr mit unserem Hund Bäri. Ihn nach elf gemeinsamen Jahren gehen zu lassen war hart.

2020
Zwischen gefühltem Weltstillstand mit Lagerfeuern in der Schubkarre und Camping zu Hause auf der Güllenbucke hat 2020 meine alte Romanidee wieder an mein Unterbewusstsein angeklopft. Aber erst als meine Cousine mir sagte, sie lese meine Briefe immer so gerne und spare sie sich für einen ruhigen Moment auf um sie zu geniessen, gab mir das den Mut mein Manuskript wieder hervorzuholen.

2021
Ich habe mir 2021 einen eigenen Arbeitsplatz eingerichtet und sehr fokussiert mein altes Manuskript überarbeitet. Das war eine schöne Abwechslung zwischen Backorgien, Puppen-Teepartys, Ausflügen und Wäschebergen. Allerdings tauchten schon bald immer mehr handwerkliche Fragen auf. Darum startete ich im November in die Ausbildung zur Romanautorin. Und unser Baby-Herr-Hunziker ist eingezogen.


2022
2022 hatten wir mal wieder abgeklebte Fensterscheiben wegen flugbereitem Wellensittich Nachwuchs. Dazu ein Welpe vor dem keine Socke sicher war und ich bekam ein Upgrade von einer Büroecke zu einem eigenen Schreibzimmer. In diesem Jahr meiner Romanautorinnen-Ausbildung habe ich gelernt wie man Ideen entwickelt, Figuren und ein Handlungsgerüst aufbaut und ich habe eine Drama-Maus gemalt. Ausserdem habe ich einen Instagram-Account gestartet (die haben mir gesagt, ich brauche Marketing) und im Jahresendspurt meine eigene Webseite gebaut.

2023
Ich habe Ende 2022 im Rahmen einer Challenge einen Blog aufgesetzt und als ersten Artikel meinen Jahresrückblick geschrieben und veröffentlicht. Das hat mir so gut gefallen, dass ich beim Bloggen geblieben bin. Und der Roman? Im Sommer 2023 schrieb ich das Magische Wort ENDE unter meine Geschichte. Was natürlich noch lange nicht das richtige Ende war. Nach einer Pause, in der ich mich auf die Suche nach Testleserinnen gemacht, und einen Lektoratstermin gebucht habe, gings ans Überarbeiten. Und auch die Ausbildung zur Romanautorin ging in jenem November zu Ende.

2024
Die ersten Monate des Jahres verbrachte ich mit der Einarbeitung des Lektorats. Ein Korrektorat hatte ich schon gebucht, der Drucktermin stand ebenfalls. Und doch waren meine Zweifel an dieser Geschichte nie so gross wie in jener Zeit. Meine Lektorin zerriss meine Hauptfigur regelrecht. Hätte ich nicht meine Ausbildung und tolle Testleserinnen im Rücken gehabt – ich weiss nicht, ob ich mich noch getraut hätte, meinen Roman zu veröffentlichen. Doch nach einer abenteuerlichen Druckphase fuhr im Juni 2024 der LKW mit meinen Büchern vor und die Wochen und Monate darauf suchte ich laufend nach Verkaufsorten für meine Liebeskomödie. Es folgten Buchmessen und Märkte und ein E-Mail-Adventskalender, der mir viele neue Leserinnen für meinen Newsletter bescherte.

2025
2025 startete mit einem Projekt. Die Adventsgeschichten, die ich im vergangenen Dezember als Newsletter versendet habe, sind so gut angekommen, dass ich beschlossen habe, daraus ein Adventskalender-Buch zu produzieren. Und genau das nimmt in diesem Jahr beachtlich viel Zeit ein. Daneben arbeitete ich an meiner Sichtbarkeit als Autorin. Lesungen, Märkte, Podcasts und eine Kochsendung – ich habe alles mitgenommen. Und die Adventszeit war der Höhepunkt des Ganzen. Ich freue mich sehr über mein zweites Buch.

Und 2026 …?
2026 hat bloggend begonnen. Und ja, ein paar Markt- und Messe-Termine stehen auch schon fest. Besonders freue ich mich, dass «Karpfen im Froschteich» diesen Sommer als Hörbuch erscheinen wird!
Aber in diesem Jahr soll das Schreiben meines nächsten Romans im Fokus stehen. Der Szenenplan steht. Was ich immer wieder merke: der Spagat zwischen Schreiben und Präsent bleiben ist gar nicht so einfach. Aber auch da werde ich die Balance irgendwann noch finden. Hoffe ich jedenfalls 😉 …



