Unter Schreibenden kennen viele die Webinare von Jurenka Jurk, der Gründerin der Romanschule. Egal ob es sich um ihre Online-Autorenmesse, dem Neujahrskurs «Plane dein Romanjahr» oder um die Ausbildung zum Romanautor handelt – ein fester Bestandteil jener Veranstaltungen ist der «Romanfahrplan». Das ist ein A4-Blatt, auf dem ein Fluss mit allen Stationen einer Roman-Reise abgebildet ist. Darauf legt man zu Beginn seines Romanprojekts seine persönliche Roman-Route fest. Wann sind alle Figuren charakterisiert? Zu welchem Zeitpunkt steht der Szenenplan? In welchem Monat ist die Rohfassung fertig …? Der letzte Punkt: Wann ist mein Exposé fertig und wie veröffentliche ich? Da kommen nun meine ganz persönlichen Vorurteile ins Spiel. Ohne zu überlegen, schrieb ich damals: Verlag. Selfpublishing? Nein, das war keine Option. Als Notlösung vielleicht, aber sicher nicht als Plan A. Doch als ich Selfpublishing näher kennenlernte, wurde mir schnell klar: Das passt zu mir.
Woher kommt das Vorurteil: «Selfpublishing ist eine Notlösung»?
Bei mir kam es schlicht daher, dass ich bis zu meiner Schreibausbildung noch nie ein Selfpublishing-Buch in der Hand hatte. Wie für die meisten Lesenden war es für mich zu keiner Zeit ein Thema, auf was für einem Weg ein Buch produziert wurde. Die Bücher, die ich in der Buchhandlung kaufte, weil es gar keine anderen dort hinschafften, waren Verlagsbücher. Das war also keine bewusste Entscheidung. Und klar, als Jungautorin (schmeichelhafte Bezeichnung mit Ü 40 😉) hat man seine Vorbilder. Diese Autorinnen waren ausschliesslich Verlagsautorinnen. Damit wurden bereits die Weichen zu Wunschverlagen gestellt.
Ein hartnäckiges Vorurteil: Selfpublishingbücher sind minderwertig
Das Vorurteil, Selfpublishing-Bücher seien minderwertig, hält sich noch immer, obwohl sich dieser Zweig der Buchbranche sehr professionalisiert hat. Wo man vor wenigen Jahren noch mit Schreibfehlern gespickten Werken mit selbst gebastelten Covern begegnete, setzt man heute auf Qualität. Dieser Wandel wurde vor allem dadurch hervorgerufen, dass es immer mehr professionelle Dienstleister gibt, die man sich als Autorin mit ins Boot holen kann. So haben heute viele Selfpublishing Bücher ein Lektorat und ein Korrektorat durchlaufen. Bestenfalls wird von Autoren auch in ein professionelles Coverdesign und in einen ansprechenden Buchsatz investiert.
Zugegeben, man stösst dadurch, dass es immer einfacher geworden ist, ein Buch zu veröffentlichen, auch oft auf Ramsch. Gerade in den letzten Monaten schwämmen KI-generierte Werke von nicht existenten Autoren den Onlinehandel (vorwiegend Amazon).
Gleichzeitig spürt man aber auch, dass in den Verlagshäusern ebenfalls öfter an Lektorat und Korrektorat gespart wird. Und es ist nicht lange her, dass sich Illustratoren gegen KI generierte Cover erhoben.
Selfpublishing-Bücher gibt es nur als E-Book
Beständig hält sich auch das Vorurteil, Selfpublishing-Bücher gibt es nur als E-Book und ausschliesslich über Amazon … Als Selfpublishing noch in den Kinderschuhen steckte, stimmte das sogar. Inzwischen gibt es Werke, die von verlagsunabhängigen Autoren stammen, in allen Formen. Egal ob Taschenbuch, Hardcover oder Bildband. Auch Hörbücher in top Qualität werden inzwischen im Selfpublishing produziert.
Selfpublishingautoren haben es nur nicht in einen Verlag geschafft
Natürlich gibt es Autoren, die erst versuchen in einem Verlag unterzukommen und wenn das nicht gelingt auf Selfpublishing ausweichen. Doch es gibt inzwischen umgekehrt auch zahlreiche Verlagsautoren, die der Verlagswelt ganz oder teilweise den Rücken kehren, um die Vorzüge des Selfpublishings in Anspruch zu nehmen. So ist der Verdienst als Selfpublisher oft höher als beim Verlag und die künstlerische Freiheit sowieso. Autoren haben heute die Möglichkeit von Projekt zu Projekt selbst zu entscheiden, welchen Veröffentlichungsweg sie wählen. Früher galt man mit Veröffentlichungen im Selfpublishing für Verlage als «verbrannt». Heute hingegen besteht sogar die Chance, durch eine gute Veröffentlichung von Verlagen entdeckt und übernommen zu werden. Dafür muss natürlich die Qualität des Werks überzeugen.
Fazit: Ist Selfpublishing ein guter Veröffentlichungsweg?
Ich habe mich noch während meiner Schreibausbildung aktiv für Selfpublishing entschieden.
Meine Hauptgründe waren:
- Ungeduld. SP-Bücher brauchen keinen so langen Vorlauf wie Verlagsbücher.
- Volle Entscheidungsfreiheit. Inhalt, Titel, Cover, Druckqualität – ich konnte alles selbst bestimmen. Ich bin gerne meine eigene Chefin.
- Künstlerische Freiheit. Wenn es für meine Protagonisten hart auf hart kommt, möchte ich selbst ein Urteil fällen, wie sich meine Geschichte entwickelt – was nicht heisst, dass ich nicht offen bin für konstruktive Vorschläge meiner Testleserinnen oder meiner Lektorin.
Nach zwei Buchveröffentlichungen im Eigenverlag und einer bevorstehenden Hörbuchproduktion bin ich sehr happy mit meinem Weg. Aber ich denke, man muss der Typ dazu sein. Und ja, manchmal in einer besonders fordernden Phase wünschte ich mir auch jemanden, der mir diese Arbeiten, die für Verlagsautoren kein Thema sind, einfach abnehmen würde. Aber dann denke ich wieder daran, was ich alles einfach so entscheiden kann – ohne Rücksprachen oder Einschränkungen. Das ist es für mich wert.
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