Beim Aufräumen ist mir ein Blatt Papier in die Hände gefallen. Ein Handout, das mir bei einem Vortrag über Trivialliteratur ausgehändigt wurde. In diesen Vortrag bin ich durch meine gute Erziehung hineingeraten. Ich war zu einer Veranstaltung eingeladen und dieser Vortrag eines Literaturprofessors stand als Programmpunkt nach dem Dessert auf dem Plan. Natürlich ist mir aufgefallen, dass zwei Drittel der Anwesenden sich nach der Süßspeise eilig verabschiedeten. Ich fand es aber unhöflich einfach zu gehen. Als er dieses Handout mit abschreckenden Beispielen austeilte und ich bei fast jedem der aufgeführten Bücher dachte: «Oh, das möchte ich lesen!» war mir klar, dass ich nicht zur Zielgruppe dieses Vortrags gehörte. Und mit jedem Punkt seiner anschliessenden Präsentation, die mehr Predigt war, bekräftigte er, was ich bereits wusste – mein Roman ist keine hohe Literatur.
Wie ich zu meinem Autorinnendasein gekommen bin
Tja, seien wir ehrlich, nicht jeder kann Literatur studieren. Für mich, als Kind einer Kleinbauernfamilie, war nach der Schule entscheidend schnellstmöglich einen Beruf zu erlernen und eigenständig zu werden. Und das tat ich auch. An meinem sechzehnten Geburtstag trat ich meine Lehre als Servicefachangestellte an. Damals mein absoluter Traumberuf. Ein paar Jahre später wurde ich Putzfrau – ebenfalls ein wunderbarer Beruf, den ich noch heute sehr gerne ausübe. Diese Biografie und die in zwei Jahrzehnten Putzfrauenleben angesammelten Hörbuchstunden haben mich und mein Schreiben – das es nebenher immer in irgendeiner Form gab – geprägt. Irgendwann setzte ich mich hin und begann «Karpfen im Froschteich» zu schreiben. Ein Roman über eine junge Frau, die als Hauspflegerin bei der Spitex arbeitet und sich verbiegt, um ihren neureichen Freundinnen zu gefallen. Als sich bei diesem Projekt handwerklich immer mehr Fragen auftaten, entdeckte ich die Ausbildung zum Romanautor, in die ich zwei Jahre und viele Putzgehälter investierte. Am Ende der Ausbildung war ich um einen Koffer voller Wissen, wertvolle Freundschaften und ein fertiges Manuskript reicher. Die Wahl zwischen Hochliteratur und Unterhaltungsliteratur hatte ich also eigentlich gar nicht. Ich hatte die Wahl zu Schreiben oder nicht zu Schreiben. Die Entscheidung fiel mir leicht.
Was ist das «Problem» von Unterhaltungsliteratur?
Unterhaltungsliteratur wird in der Literatur- und Kulturlandschaft als wenig anspruchsvoll oder gar minderwertig angesehen. Natürlich behandelt die Unterhaltungsliteratur vor allem lebensnahe Themen wie Liebe, Tod und Abenteuer. Und die darin agierenden Charaktere werden so aufgebaut, dass sie es dem Leser leicht machen, mit ihnen mitzugehen. Dazu kommt die einfach verständliche und oft bildhafte Sprache, sei es in der Handlung oder im Dialog. All das lässt ein Werk im direkten Vergleich zu Hochliteratur, die mit komplizierter und kunstvoll gestalteter Sprache mehr Zeit und Interpretation von den Lesenden fordert, einfältig wirken.
Doch hinter den Kulissen liegt gerade in dieser Einfachheit die Kunst. Es erfordert viel Arbeit und auch eine gewisse Portion Fachwissen, um ein Bild für den Leser zu zeichnen, welches ihn auf allen Ebenen so abholt, dass er sich mühelos durch die Handlung treiben lassen kann, ohne sich an scharfkantigen Formulierungen, diffusen Gefühlen oder an Logikfehlern zu stossen.
Warum ich heute selbstbewusst sage: Ich schreibe Liebeskomödien und das ist gut so!
Mein Anspruch war nie, Menschen zum Grübeln zu bringen oder komplizierte Gedankengänge niederzuschreiben, in der Hoffnung, damit meine Leser möglichst lange mit deren Interpretation zu beschäftigen.
Mein Ziel war es von Anfang an, meine Leserinnen zu unterhalten. Meine Hoffnung war, dass sie mit meinen Figuren mitgehen, mitfühlen und sie mögen können. Dass sie am Strand im Liegestuhl laut lachen oder im Café verstohlen die Tränen von den Wangen wischen. Ich wollte Inseln im Alltag schaffen, auf denen man Kraft tanken kann. Und wenn ich die Zuschriften, die in meinem Postfach landen lese, dann freue ich mich. Denn genau das ist mir gelungen. So viele Leserinnen hatten schöne Stunden mit meinen Geschichten. Sie haben gelacht und geweint. Sie haben das Buch am Ende glücklich aber auch wehmütig zugeklappt. Sie hatten so viele Emotionen – doch sie haben nicht gegrübelt. Das ist es, was mich daran glücklich macht, Liebeskomödien und unterhaltsame Geschichten zu schreiben.


