Socialmediakanäle wie Instagram oder TikTok waren in meinem Privatleben nie ein Thema. Ich hatte ein im Dornröschenschlaf gemütlich vor sich hin schnarchendes Facebook-Profil – das wars.
Bis ich begann, einen Roman zu schreiben. Ab da kam ich nicht mehr drum herum, mich damit auseinanderzusetzen, wie es mit meinem Herzensprojekt weitergehen soll, wenn aus dem Manuskript ein richtiges Buch geworden ist.
Ich kann mich im Schreiben weiterbilden, die besten LektorInnen und KorrektorInnen beauftragen. Das Cover kann ein Kunstwerk sein, und der Buchsatz so schön, dass man selbst dann nicht mehr aufhören könnte zu lesen, wenn es die Bedienungsanleitung eines Toasters wäre.
Doch wenn keiner erfährt, dass es mein Buch gibt, werden sich die Verkaufszahlen auf die Anzahl von Freunden und nahen Verwandten beschränken.
Darum müssen wir als Autoren raus, um unsere Werke sichtbar zu machen. Und das geht nirgends einfacher als auf Instagram und Co.
Wann sollte ich als Autorin mit Instagram und Co. starten?
Früher als du denkst und dann noch drei Monate vorher ;). Das hat man mir jedenfalls in meiner Ausbildung zur Romanautorin so gesagt. Und es hat sich bewahrheitet. Am besten startest du schon weit vor der Veröffentlichung deines Buchs mit Instagram oder dem Social-Media-Kanal, der dir am meisten entspricht. Denn du wirst Zeit brauchen, um Reichweite aufzubauen und um deinen eigenen Stil zu finden.
Instagram, TikTok oder Facebook? Welche Plattform ist die richtige?
Welche Plattform für dich die richtige ist, kommt einerseits auf dich und deine Interessen an und andererseits auf deine Zielgruppe. Am wichtigsten ist aber immer, dass du dich auf einer Plattform wohl fühst, sonst wird Social-Media schnell ermüdend und kann überfordern.
Du möchtest viele Menschen erreichen und bist am direkten Austausch mit Lesern interessiert?
Wenn deine Zielgruppe eher über 40 ist und du lieber Bildposts machst oder gerne längere Texte schreibst, dann ist Facebook dein Kanal. Und auch wenn immer behauptet wird, Facebook sei tot, mit weltweit 3,07 Mrd. monatlich aktiven Nutzern bleibt Facebook die größte Social-Media-Plattform. Ein weiterer Vorteil von Facebook ist meiner Meinung nach, dass du direkt im Post Verlinkungen machen kannst (z. B. zu deinem Buch, deinem Blog …) Oder auch die verschiedenen Facebook-Gruppen zur Vernetzung mit anderen Autoren.
Du schreibst für eine eher jüngere Zielgruppe und/oder in Genres wie Romance, Dark Romance oder Fantasy?
Wenn du eher für die Zielgruppe der Generation Z schreibst oder dich in Genres wie Romance oder Fantasy bewegst, ist TikTok mit seiner Buchbubble #booktok eine gute Wahl. Dafür müsstest du aber zusätzlich gerne Videos machen.
Du machst gerne Videos, möchtest dich in der Länge aber nicht beschränken lassen?
YouTube (#booktube) ist unangefochtene Nummer eins, wenn es um Video-Content geht. Videos sind bei Usern allgemein sehr beliebt. Deshalb setzen inzwischen viele weitere Social-Media-Kanäle auf Videos. Dennoch bleibt YouTube die vorherrschende Video-Plattform. Gerade für Buchtrailer und Ausschnitte aus Lesungen ist Youtube hervorragend geeignet.
Du magst schöne Bilder, aber kannst dir auch Vorstellen Videos zu drehen?
Dann ist Instagram dein Kanal. Mit kontinuierlichem Posten und visuellem Content kannst du dir dort eine Followerschaft aufbauen und so deine Reichweite steigern. Ausserdem bietet Instagram vielfältige Marketingmöglichkeiten, zum Beispiel über Instagram Ads (bezahlte Werbeanzeigen). Ich persönlich schätze auch den Austausch mit anderen Schreibenden oder Dienstleistern wie etwa Lektorinnen, Buchsetzerinnen oder Coverdesignerinnen sehr. Ausserdem erlebe ich bis jetzt das dortige Netzwerk aus Schreibenden, Leserschaft und Buchbloggerinnen (#bookstagram) als sehr wohlwollend.
Du möchtest kurzfristig mit Menschen interagieren und lieber häufiger aber kurz online sein?
Dann ist vielleicht X (ehemals Twitter) deine Plattform. (Oder Threads von Meta). X ist ein Kurznachrichtendienst und damit eine sehr schnelllebige Plattform, die von Aktualität lebt. Wer sich dort oder bei der von Meta ähnlich angelegten Plattform Threads eine treue Gefolgschaft von Lesern aufbauen möchte, sollte mehrere Male am Tag online sein, interessante Nachrichten von anderen Nutzern teilen, Menschen mit gleichem Interesse folgen, Bücher von Kollegen empfehlen und mittels Hashtags (Stichworten) und Erwähnungen auf sich aufmerksam machen. Der Vorteil: Du brauchst keinen Layout-Schnickschnack.
Auch Reddit wird immer beliebter, weil es echte Diskussionen und Community-Gefühl bietet – im Gegensatz zu rein algorithmisch gesteuerten Feeds wie bei TikTok. In Subreddits findet man gezielt Themen, die die Nutzer wirklich interessieren und sie können sich mit Gleichgesinnten austauschen. Ich persönlich kenne Reddit nicht.
Und immer mehr Autoren nutzen inzwischen auch LinkedIn, haben einen WhatsApp-Kanal oder bespielen das live Streaming Portal Twitch.
Die Möglichkeiten sind da wirklich endlos und ich habe hier nur die populärsten angerissen. Auch endlos ist die Zeit, die solche Portale verschlingen können. Darum empfehle ich dir, dich erst einmal auf einen Kanal zu beschränken, bei dem du dich wirklich wohl fühlst.
Oder doch lieber ein Blog statt Instagram?
Ein Blog ist eine grossartige Sache und ich empfehle dir ganz klar, einen Blog zu starten. Denn ein Blog hat einen entscheidenden Vorteil – er gehört dir. Kein Algorithmus, keine Sperrungen oder Hackerübernahmen – du hast die volle Kontrolle. Schlussendlich lohnt es sich, beides zu haben. Für mich ist Instagram der Marktplatz, auf dem ich relativ einfach Menschen erreichen kann. Denn dort ist viel Los, dafür ist die Lebensdauer eines Posts dementsprechend kurz und er geht schnell unter. Blogartikel dagegen sind langlebig und funktionieren meist auch nach Jahren noch – aber sie müssen erst gefunden werden und dafür ist Instagram ein gutes Instrument.
Oder doch besser ein Newsletter statt Instagram?
Sogar noch mehr als bei einem Blog gilt – wenn möglich, mache beides. Nutze den Marktplatz Instagram, um Menschen die Möglichkeit zu geben, dich und deine Bücher kennenzulernen. Und lade sie von da zu dir nach Hause ein. Denn das ist dein Newsletter schlussendlich. Es ist ein geschützter Raum abseits der Öffentlichkeit. Deine direkte Verbindung mit Menschen, die sich aktiv dazu entschieden haben, mit dir in Kontakt zu bleiben.
Gut zu wissen:
- Jedes Netzwerk hat seine eigenen Regeln. Im Umgang miteinander aber auch Betreiber-Regeln, die schnell zu Sperrungen oder Abmahnungen führen können. Nimm dir die Zeit, die Bestimmungen der Plattform, die du für dein Autorenmarketing wählst, kennenzulernen.
- Überlege dir im Vorfeld deine Strategie.
Wie viel Zeit bist du bereit für dein Autorenmarketing aufzuwenden? Möchtest du dich zeigen? Wie möchtest du wirken? Wie Persönlichkeit zeigen, ohne zu privat zu werden? Das Wichtigste: Egal was gerade im Trend liegt, bleibe immer bei dir. Und mach nur das, womit du dich wohlfühlst.
- Du musst das Rad nicht neu erfinden. Nimm Ausschnitte aus deinem Blog oder Buch und mache daraus Beiträge. Zitate, Anekdoten oder Einblicke in deinen Schreiballtag können genau so einen Post ergeben wie bevorstehende Veranstaltungen.
- Deine Bio: Die Social-Media-Biografie ist wertvoller Platz. Gestalte ihn überzeugend und klar. Eine gut strukturierte Biografie kann Besucher zu Follower machen.
- Insights: Überprüfe regelmässig die Analysen, die dir ein professionelles Konto zur Verfügung stellt, um zu verstehen, welche Inhalte bei deinem Publikum gut ankommen. Denn wenn du Likes, Shares und Kommentare im Auge behältst, kannst du besser einschätzen, was die Besucher deines Profils von dir sehen möchten.
- Und denke daran: Keines der genannten Netzwerke ist für seine Nutzer tatsächlich gratis. Du bezahlst die Anbieter immer mit deinen Daten. Darum ist es in deinem Interesse eine eigene Webseite, am besten mit Newsletter zu haben.
Fazit
Instagram und Co. ermöglichen es uns Autoren, direkt mit unseren Lesern in Kontakt zu treten, unsere Werke zu präsentieren und gleichzeitig eine «Fangemeinde» und ein Netzwerk zu anderen Schreibenden aufzubauen. Um es aber zu schaffen, auf lange Sicht regelmässig präsent zu bleiben und mit unseren Followern zu interagieren ist es wichtig, die Plattform zu wählen, die uns möglichst wenig abverlangt, damit das Projekt Autorenmarketing nicht in Überforderung ausartet. Dann macht das Ganze nämlich ziemlich viel Spass 😉 …


