Gerade als Romanautorin weiss ich, wie es ist, sich ein fernes Ziel zu setzen und es über eine lange Strecke hinweg im Auge behalten zu müssen. Und ja, mir fällt das oft verdammt schwer. Ich gehe Umwege, trödle herum und pflücke Blumen am Wegesrand, die mir zwar Freude bereiten, mich auf meinem Weg ansonsten aber nicht weiter voranbringen. Erheblich besser wurde es, seit ich mit Quartalszielen in Form einer «To-Want-Liste» arbeite. Meine erste «To-Want-Liste» habe ich noch still und heimlich nur für mich alleine geführt. Die Nächsten habe ich als Blogartikel angelegt – was tatsächlich eine erhebliche Wirkung erzielt hat. Und nun gehe ich einen Schritt weiter und werde mein erstes 12-Wochen-Jahr nach der Grundlage des gleichnamigen Buches planen. Denn eines kann ich immer noch nicht lassen – Blümchen am Wegesrand zu pflücken, statt vorwärtszugehen.
Was ist das 12-Wochen Jahr?
Das 12-Wochen-Jahr ist ein Planungskonzept von Brian Moran und Michael Lennington. Es basiert auf der Idee, das Jahr in 12-Wochen-Zyklen aufzuteilen statt sich zu weitgefasste und damit oft unerreichbare Jahresziele zu stecken.
Die Fragestellung, auf der das Konzept des 12-Wochen-Jahres basiert: Was wäre, wenn wir nur noch 12 Wochen Zeit hätten, um unsere Jahresziele zu erreichen? Diese Frage löst eine ähnliche Dringlichkeit aus, wie sie sich kurz vor Jahresende bei vielen von uns beobachten lässt. Wenn wir nach einem Frühlingstief, dem Sommerloch und der Herbstantriebslosigkeit noch einmal Vollgas geben, um unsere Ziele doch noch irgendwie zu erreichen.
Genau auf der künstlichen Erzeugung dieses Dringlichkeitsgefühls basiert das 12-Wochen-Jahr. Es zwingt uns dazu, Prioritäten zu setzen, an den wichtigen Aufgaben dran zu bleiben und keine Zeit mit unnötigen Aktivitäten zu vertrödeln. Denn nichts ist motivierender als eine Deadline.
Warum es auch für dich sinnvoll sein kann, dir mit dem 12-Wochen-Jahr Ziele zu setzen
Wir alle haben schon mal Neujahrsvorsätze gefasst. Mehr Sport, gesünder leben, ein Buch schreiben, einen besseren Job an Land ziehen, den perfekten Partner finden und die erste Million verdienen. Oder so in der Art.
Doch auffällig oft klappt das alles dann doch nicht. Und spätestens im März ist die Luft raus – wenn die ganzen Vorsätze nicht schon längst vergessen sind. Dann geht das Leben weiter, die Tage sind voll und die Zeit fliegt nur so an uns vorbei. Bis das Jahr dann so gegen Oktober in den Endspurt geht. Und wir mit ihm. Denn ein paar von unseren Zielen möchten wir dann doch noch erreichen. Mit der Traumfigur und der Million wird es zwar knapp – vielleicht liegt ja die Sache mit dem Traumprinzen noch drin. Oder wenigstens ein Sparbatzen von etwas unter einer Million 😉 …
So weit, so fern von Planung. Doch wie wäre es, wenn wir uns unsere Ziele enger stecken würden? Eben nicht viele fast unerreichbare, schwammig formulierte Ziele bis Ende Jahr, sondern wenige spezifische, doch durchaus ambitionierte, in 12 Wochen? Damit könnten wir die Kräfte der Motivation des Jahresbeginns mit der Dringlichkeit des Jahresendes bündeln. Und so Quartal für Quartal unsere Ziele erreichen.
Wie bereitet man sich auf die Planung mit dem 12-Wochen-Jahr vor? Oder: Was willst du eigentlich?
Du möchtest produktiver sein. Mehr erreichen, disziplinierter an deine Ziele herangehen. Aber warum eigentlich? Diese Frage ist viel wichtiger, als man glaubt. Denn wenn man sein «Warum» kennt, ist es in harzigen Zeiten einfacher durchzuhalten.

Wie wäre es, dieses perfekte Leben? Und wer und was kommt darin vor?
Im Buch «Das 12 Wochen Jahr» ist das die «Vision». Diese Vision von einem zukünftigen Leben darf ruhig hoch gegriffen sein. Sie sollte berufliche und persönliche Ziele vereinen und dazu dienen, die nötige Zugkraft zu entwickeln, um den mit dem 12-Wochen-Jahr eingeschlagenen Weg auch in schweren Zeiten zu folgen. Am besten schnappst du dir gleich Stift und Papier und fragst dich «Was wäre wenn …?»
Erlaube dir, gross zu träumen. Was ist dir in körperlicher, monetärer, spiritueller, mentaler, persönlicher und beruflicher Hinsicht wichtig? Wo möchtest du leben? Mit wem? Welches Einkommen, welcher Status schwebt dir vor? Schreibe alles auf und erlaube dir, dabei kühn zu sein.
Nun unterteilst du deine Vision in drei Zeithorizonte:
1. Langfristige Erwartungen – dort möchtest du in 10 oder 15 Jahren stehen.
2. Mittelfristige Ziele – etwa drei bis fünf Jahre entfernt.
3. Deine nächsten 12 Wochen.

Die grossen, traumhaften Pläne, werden in einem nächsten Schritt auf drei Zeithorizonte heruntergebrochen.
Bewahre dir diese Vision auf und hol sie hervor, wenn du sie brauchst. Bekenne dich bereit dazu, alles Erforderliche zu tun, um dieses «Wunsch-Leben» zu erreichen.
Wie funktioniert die Planung für das 12-Wochen-Jahr?
1. Formuliere klare Ziele für die nächsten 12 Wochen.
Ein guter Plan beginnt mit einem guten Ziel. Setze dir ein bis Maximum drei Ziele, die dir wirklich wichtig sind und die sich an deiner Vision orientieren. Formuliere sie positiv, konkret und messbar. Je spezifischer und messbarer du deine Ziele setzt, desto einfacher wird es sein, einen tragfähigen 12-Wochen-Plan zu verfassen.
Beispiele:
Wenn du beispielsweise mehr Sport machen willst, überlege dir genau, was du in den nächsten 12 Wochen erreichen möchtest und wie.
So wird aus «Mehr Sport machen»: «Ich möchte in 12 Wochen zwei Kilometer am Stück joggen können. Dafür werde ich vier Mal wöchentlich trainieren.»
Wenn du eine grössere Geldsumme ansparen möchtest, überlege dir, welchen Kontostand du in 12 Wochen, aber auch in weiterer Ferne erreichen möchtest (in deiner 3- und 15-Jahres-Vision).
So wird aus «die erste Million verdienen»: «Ich möchte in 3 Jahren XY Franken ansparen. In 12 Wochen werde ich die ersten 10% dieser Summe erreichen. Dafür werde ich einen Budgetplan erstellen und einen Nebenjob annehmen.»
Wenn du dein Ziel ohne Anstrengung erreichen kannst, solltest du dir ein ambitionierteres Ziel setzen. Aber auch wenn du ein fast unmöglich zu erreichendes Ziel gewählt hast, lohnt es sich, einen Gang runterzuschalten. Beide Extreme kratzen an der Motivation.
Wenn du dir deine Ziele gesetzt hast, notiere dir die Massnahmen, die erforderlich sind, um diese Ziele zu erreichen in ganzen Sätzen.
2. Plane deine Wochen und Tage.
Das kannst du in einem Kalender, einer Vorlage oder einem dafür angelegten Notizbuch tun. Wichtig ist, alle deine Aufgaben, seien sie für dich auch noch so selbstverständlich, festzuhalten. Denn nur weil wir wissen, was wir zu tun haben, heisst das noch nicht, dass wir diese Dinge auch tatsächlich erledigen …
Lege dir schriftlich ein oder zwei Wochenziele fest, die auf deine 12-Wochen-Ziele einzahlen. (Die Ziele können sich wiederholen).
Wenn du deine Wochenziele geplant hast, überlege dir, welche Tätigkeiten dazu erforderlich sind, diese Ziele zu erreichen.
Dann setze für deine Wochenziele dienliche Aufgaben. Blockiere dir für diese Aufgaben Zeitfenster. Sie werden von nun an erste Priorität haben. Wenn du die Aufgaben, die dich deinem Ziel näherbringen konstant und zielgerichtet erledigst – so banal sie auch sein mögen – wirst du automatisch Fortschritte machen.
Und setze dir Fristen, um das Ganze verbindlicher zu machen. Dein Plan sollte ein Datum enthalten, wann das Ziel erreicht oder die dafür eingesetzten Aufgaben erledigt sein sollen.

Was musst du tun um dein Ziel zu erreichen? Und wann? Wirst du die Taktik täglich anwenden? Oder ein Mal in der Woche? Bis zu welcher der 12 Wochen?
Wenn du deine erste Woche planst, plane dir folgende Zeitfenster ein:
Strategische Zeitfenster: Reserviere dir in jeder Woche einen dreistündigen Block ununterbrochener Zeit, in der du keine Nachrichten oder Telefonanrufe entgegen nimmst. In diesem Zeitfenster schenkst du deinen «gewinnbringesnsten Aktivitäten», also den Tätigkeiten, die direkt auf dein Ziel einzahlen, deine volle Aufmerksamkeit. In dieser Zeit nimmst du keine Anrufe an, schaust nicht in deine Mails oder auf dein Handy. Denn nichts killt die Produktivität mehr als ständige Ablenkungen und Unterbrechungen.
Puffer Zeitfenster: Diese Zeitfenster sind dafür da, um auf ungeplante Dinge wie Mails, Sprachnachrichten oder Anrufe zu reagieren. Dafür kann je nach Arbeitsalltag ein 30-Minuten-Block oder zwei einzelne Stundenblöcke reichen. Der Vorteil dieser Puffer ist, dass diese eher unproduktiven Aktivitäten gebündelt werden, damit sie deinen Arbeitsprozess nicht ständig unterbrechen.
Freizeit Fenster: Diese Zeitfenster sollen der Regeneration dienen, um frisch zurück an die Arbeit zu gehen. Denn meist werden wir durch längere Präsenzzeit eher unproduktiver. Ein Bruch zwischendurch macht den Kopf frei und lässt die Kreativität neu fliessen.
Wenn du diese Zeitfenster eingesetzt hast, füllst du die restliche Zeit mit deinen verbleibenden Tätigkeiten auf. Meetings, Kundengespräche, Werbemassnamen, kreieren oder produzieren …
Nur wenn wir unsere Zeit kontrollieren, haben wir die Kontrolle über unsere Ergebnisse.

So könnte eine mögliche Tagesplanung aussehen. Der blaue Block ist bei mir das wöchentliche Strategie-Fenster. Es wird empfohlen, es früh in der Woche zu setzen, dass man es notfalls verschieben kann.
Darum: Plane auf Papier eine für dich «ideale Woche». Wie müsste sie aussehen? Was brauchst du, um sie umsetzen zu können? Dabei ist es hilfreich, Routineaufgaben immer am selben Tag und zur selben Zeit einzuplanen. Je besser es dir gelingt, mehr Routine in die Tage und Wochen einzubringen, je einfacher wird es werden, effektiv zu arbeiten.
Ich habe für mich erst eine «ideale Woche» geplant und habe dann von dieser Wunsch-Planung ausgehend meine erste «echte» Woche geplant. Achte darauf, dabei realistisch zu bleiben. Funktioniert eine Woche schon auf dem Papier nicht, wird sie auch dem echten Leben nicht standhalten.
3. Behalte die Kontrolle, in dem du deine Leistungen misst.
Nimm dir täglich, aber auch am Ende der jeweiligen Woche Zeit, um deinen Fortschritt zu überprüfen. Der wichtigste Messwert dafür ist die Erfassung der produktiven Tätigkeiten im Alltag. Wenn ich um mein Ziel zu erreichen festgelegt habe, täglich zwei Szenen zu schreiben, dies aber nur an einem Tag abhacken konnte, bemerke ich das in einem schriftlich geführten Wochenplan sofort. Diese Tatsache schwarz auf weiss zu sehen, nimmt mir die Möglichkeit, mich selbst darüber zu belügen, weshalb ich in ebendieser Woche mit meiner Geschichte nicht vorangekommen bin. Mit dieser Kontrolle übernehme ich die Verantwortung über mein Handeln. Und ich stelle die Weichen dafür, meine Ziele besser im Blick zu behalten.
Erfasse für dich nach jeder Woche:
- Welche Quote hast du erreicht? (Wie viele deiner Tätigkeiten hast du tatsächlich absolviert).
- Welche Erfolge kannst du vorweisen?
- Wie hättest du (noch) effektiver sein können?

Abhaken kann sehr motivierend sein. Aber es gibt sicher moderne Arten seine Produktivität zu erfassen. Letztlich ist alles eine Typfrage 😉 …
Da ich auf Papier arbeite, habe ich mir für diese drei Fragen am Ende jeder geplanten Woche ein wenig Platz gelassen.Ich hake jeden Tag meine Tätigkeiten in Kästchen ab. Aus den Kästchen habe ich mir eine Skala von 0 % bis 100 % gebastelt, auf der ich meine Quote festhalte. Doch die Quote zu erfüllen, ist nicht unbedingt das Hauptziel – alleine sie zu haben und sich die Zeit zu nehmen, die Woche zu strukturieren und zu reflektieren, wird die Erfolge gegenüber des spontanen Arbeitens wesentlich verbessern. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Sondern ausdauernd und beharrlich.

Die Kontrolle dient vor allem dazu, den Überblick zu behalten. Es ist okay nicht ständig 100% zu erreichen. Aber natürlich soll der Ansporn dafür da sein 😉 .
4. Bleib dran – Woche für Woche.
Sich dahin umzugewöhnen jede Woche zu planen und sich anschliessend an diesen Plan zu halten, bis er zur Routine wird, erfordert eine gewisse Kraft. Es wird Wochen geben, die weniger gut funktionieren und der Punkt, an dem man lieber hinschmeissen will, wird bestimmt auch kommen. So ist das nun mal, wenn man alte Pfade verlässt. Doch die Autoren des Buches versprechen, dass es von Woche zu Woche einfacher werden wird.
Woche 13
Auf das Ende des 12-Wochen-Jahres folgt Woche 13. Diese Woche eignet sich hervorragend dafür, deine Ergebnisse der letzten 12 Wochen Revue passieren zu lassen und dich zu fragen, was für dich funktioniert hat und was nicht. Feiere, was du alles bewältigt hast – egal, ob du dein Ziel komplett oder nur teilweise erreicht hast. Jeder Fortschritt zählt.
Und dann nimm diese Energie mit und plane dein nächstes 12-Wochen-Jahr. Dabei wirst du schon besser wissen, worauf du achten kannst, damit es noch reibungsloser funktioniert. Denn es gibt kein allgemeingültiges Rezept. Jeder Alltag ist anders und wir alle funktionieren unterschiedlich.
Das 12-Wochen-Jahr light: als Blogartikel
Bevor ich das Buch über das 12-Wochen-Jahr gelesen habe, habe ich schon länger eine Quartalsliste mit meinen Zielen und Wünschen gebloggt. Entstanden ist diese Routine aus einer Challenge mit Judith Peters, die diese wiederum von dem Buch abgeleitet hat. Dazu hat sie auch eine Anleitung auf ihrem Blog veröffentlicht.Diese Quartalswunschlisten haben den Vorteil, dass sie ohne erheblichen Aufwand leicht herunterzuschreiben sind. Dazu vereinen sie nicht nur Ziele, sondern auch Wünsche, was sie noch flexibler macht. Und man muss so eine Liste natürlich nicht zwingend öffentlich machen, auch als kleine Erinnerung an der Pinnwand funktioniert sie ziemlich gut. Obwohl der leise Druck, der mit einer Veröffentlichung einhergeht, schon ganz dienlich sein kann 😉 …
Warum ich glaube, dass es sich lohnt, das 12-Wochen-Jahr auszuprobieren
Seit mehr als einem Jahr verfasse ich quartalsweise zusammen mit vielen anderen Bloggerinnen meine «To-Want-Liste». Mich mit meinen Zielen und Wünschen auseinanderzusetzen und sie aufzuschreiben hat jedes Mal aufs Neue eine grosse Wirkung. Ich erreiche zwar nie alles, aber doch ganz schön viel. Das coole an dieser Liste ist auch, dass ich mich dabei nicht nur auf schreib- und Marketingziele beschränke, sondern auch auf Erlebnisse, Wohnziele oder Gesundheitsziele eingehen kann.
In letzter Zeit habe ich aber bemerkt, dass ich mich mit der Fülle meiner Aufgaben immer öfter verzettle. Ich erreiche zwar einiges, aber oft nicht das, was ich eigentlich angepeilt hatte. Und nicht selten verliere ich mich in Aufgaben, die mich zwar beschäftigt halten, mich aber nicht voranbringen. Darum habe ich mir das Buch «Das 12 Wochen Jahr», auf dem meine «To-Want-Listen» basieren, angeschafft. Und ich habe es nicht nur gelesen, ich habe es wörtlich durchgearbeitet und dabei zwei Leuchtstifte verbraucht. Als ich das Konzept des 12-Wochen-Jahres verstanden hatte, war ich davon überzeugt, dass es mir die Struktur geben kann, die mir inmitten meines kreativen Chaos oft fehlt.



